Schauspieler
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Als Schauspieler werden Akteure bezeichnet, die bestimmte künstlerische und kulturelle Praktiken beherrschen und mit Sprache, Mimik und Gestik eine Rolle verkörpern oder als (Kunst-)Figur mit dem Publikum interagieren. Dazu gezählt werden auch Personen, die beruflich oder als Laien in Theater (Theaterschauspieler, Bühnenschauspieler), Film (Filmschauspieler) oder Fernsehen (Fernsehschauspieler) unter Anweisungen (Drehbuch, Regieanweisung) oder improvisierend in ihrer spezifischen Form der darstellenden Kunst tätig sind.
Definition
Der Dramatiker und Kritiker Eric Bentley definierte Schauspiel als: A verkörpert B, während C zuschaut.[1] Bentleys Definition macht deutlich, dass die Darstellung durch den Schauspieler viel mit der Vorstellungskraft des Zuschauers zu tun hat. Erst in der Wahrnehmung des Zuschauers kann ein Bild der dargestellten Person entstehen.
Gleichzeitig abstrahiert Bentleys Definition von allen historischen oder kulturellen Besonderheiten, die spezifische Formen der Schauspielerei, künstlerische Konventionen des Theaters bzw. Films usw. kennzeichnen. Demnach ist es für einen Schauspieler nicht zwingend, dass er seiner Tätigkeit regelmäßig oder professionell nachgeht, dass er die Darstellung einübt oder systematisch erlernt, dass er sich nach einer vorher festgelegten Anweisung richtet (er kann auch improvisieren oder extemporieren) oder das Schauspielen nur an dafür speziell eingerichteten Orten ausübt.
Der Schauspieler gilt Georg Wilhelm Friedrich Hegel als Künstler, nicht nur, weil sein Beruf „viel Talent, Verstand, Ausdauer, Fleiß, Übung, Kenntnis, ja auf ihrem Gipfelpunkte selbst einen reichbegabten Genius fordert.“ Die Kunst des Schauspielers liege auch darin, dass der „den Geist des Dichters und der Rolle“ tief erfassen müsse „und seine ganze Individualität im Inneren und Äußeren demselben ganz angemessen machen.“ Er müsse auch „in vielen Punkten ergänzen, Lücken ausfüllen, Übergänge finden und uns überhaupt durch sein Spiel den Dichter erklären.“ Daher lege er die „Meisterzüge“ des Werkes offen und mache das Stück erst „faßbar“.[2]
Schauspiel als menschliche Haltung
Spielen wird oft als Bereich der Freiheit angesehen – als eine Aktivität, die von Freude, Fantasie und Flucht aus dem Alltag geprägt ist. Innerhalb dieser Grenzen agieren Individuen außerhalb der unmittelbaren Zwänge der Biologie und sozialer Erwartungen und widmen sich der Erforschung und Selbstentfaltung. Spielen ist keineswegs trivial, sondern dient als wichtiger Kontext für Kreativität, Identitätsbildung und die Entfaltung des menschlichen Potenzials. Insbesondere das Rollenspiel wird mit der Entwicklung der Kreativität bei Kindern in Verbindung gebracht.[3][4]
Amateurschauspieler
In der Geschichte des Theaters wie auch heute sind Schauspieler oft nicht systematisch dazu ausgebildet worden und üben andere Berufe zusätzlich zur Theatertätigkeit aus. Gesellschaftliche saisonbedingte Feste wie die Fastnacht waren Anlässe zum Spiel, wie auch das Schuldrama. Auch an feudalen Höfen wurde viel Theater von Laien gespielt.[5]
Professionalisierung des Berufs
Eine Professionalisierung des Theaterspiels fand in Mitteleuropa im 16. und 17. Jahrhundert statt. Zu der Zeit waren die Wanderbühnen englischer Berufsschauspieler einflussreich. Die elisabethanischen Schauspielergesellschaften waren eine professionelle Berufsvereinigung.[6]
Ausbildung und Beruf
Die formale Ausbildung an staatlichen Schauspielschulen ist in Europa etabliert, bildet aber im globalen Kontext die Ausnahme. Bekannte deutsche Beispiele sind die Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch (Berlin) und die Otto-Falckenberg-Schule (München).[7] In den meisten Ländern wird die Schauspielkunst nach dem Meister-Lehrling-Prinzip erlernt.
Zugänge zur darstellenden Kunst heute
Postmoderne Theorien des Theaterspiels stellen eine radikale Abkehr von modernistischen Ansätzen dar (z. B. Konstantin Sergejewitsch Stanislawski Betonung des psychologischen Realismus, der emotionalen Wahrheit und eines einheitlichen Charakter-„Selbst“). Diese Theorien, die Ende des 20. Jahrhunderts als Teil einer umfassenderen postmodernen Philosophie entstanden sind, lehnen stabile Identitäten, große Wahrheitsnarrative und die Illusion einer naturalistischen Darstellung ab. Stattdessen betrachten sie Schauspielerei als einen konstruierten, performativen, oft ironischen oder dekonstruktiven Akt, der seine eigene Künstlichkeit offenlegt, die Realität hinterfragt und das Publikum in die Bedeutungsfindung einbezieht.[8]
Siehe auch
Literatur
- Gerda Baumbach: Schauspieler. Historische Anthropologie des Akteurs. Band 1: Schauspielstile. Universitätsverlag, Leipzig 2012, ISBN 978-3-86583-611-3.
- Rainer Bohn: Schauspieler und Schauspielen. Ein Forschungsbericht. In: TheaterZeitSchrift. Beiträge zu Theater, Medien, Kulturpolitik. Bd. 2 (1982), ISSN: 0723-1172, S. 43–62.
- Bertolt Brecht: Schriften zum Theater 1–3. (= Gesammelte Werke. 15–17). Frankfurt am Main 1967.
- Neue Technik der Schauspielkunst, Über den Beruf des Schauspielers.
- Der Messingkauf, Kleines Organon für das Theater, Stanislawski-Studien.
- Peter Brook: Der leere Raum. (The empty space, 1969). 11. Auflage. Alexander Verlag, Berlin 2012, ISBN 978-3-923854-90-5.
- Denis Diderot: Paradox über den Schauspieler. (Paradoxe sur le comédien). Insel-Verlag, Frankfurt am Main 1984.
- Gerhard Ebert: Der Schauspieler. Geschichte eines Berufes. Ein Abriss. Henschel-Verlag, Berlin 1991, ISBN 3-362-00531-4.
- Gerhard Ebert, Rudolf Penka: Schauspielen. Handbuch der Schauspieler-Ausbildung. Henschel-Verlag, Berlin 1998, ISBN 3-89487-294-2.
- Uta Hagen: Kleines Schauspieler-Handbuch. (Respect for acting, 1973). Autorenhaus, Berlin 2007, ISBN 978-3-86671-021-4.
- Ulrich Khuon (Hrsg.): Beruf: Schauspieler. Vom Leben auf und hinter der Bühne. Edition Körber-Stiftung, Hamburg 2005, ISBN 3-89684-045-2.
- Klaus Lazarowicz, Christopher Balme (Hrsg.): Texte zur Theorie des Theaters. Neuauflage. Reclam-Verlag, Stuttgart 2012, ISBN 978-3-15-008736-7.
- Denis Leifeld: Performances zur Sprache bringen. Zur Aufführungsanalyse von Performern in Theater und Kunst. transcript, Bielefeld 2015, ISBN 978-3-8376-2805-0.
- Kira Marrs: Zwischen Leidenschaft und Lohnarbeit. Ein arbeitssoziologischer Blick hinter die Kulissen von Film und Fernsehen. Edition Sigma, Berlin 2007, ISBN 978-3-89404-549-4 (zugl. Dissertation, Universität Darmstadt 2006).
- Renate Möhrmann (Hrsg.): Die Schauspielerin. Zur Kulturgeschichte der weiblichen Bühnenkunst. Insel-Verlag, Frankfurt am Main 2000, ISBN 3-458-34365-2.
- Antonio Francesco Riccoboni (Autor), Gerhard Piens (Hrsg.): Die Schauspielkunst (L’Art du theatre, 1750). Henschel-Verlag, Berlin 1954 (übersetzt von Gotthold Ephraim Lessing).
- Jens Roselt (Hrsg.): Seelen mit Methode. Schauspieltheorien vom Barock bis zum postdramatischen Theater. 2. Auflage. Alexander-Verlag, Berlin 2009, ISBN 978-3-89581-139-5.
- Katy Schlegel: Comica – Donna Attrice – Innamorata. Frühe Berufsschauspielerinnen und ihre Kunst. (= Leipziger Beiträge zur Theatergeschichtsforschung. Bd. 3). Leipziger Universitätsverlag, Leipzig 2011, ISBN 978-3-86583-430-0.
- Ernst Schumacher (Theaterwissenschaftler) (Hrsg.): Darsteller und Darstellungskunst in Theater, Film, Fernsehen und Hörfunk. Henschel-Verlag, Berlin 1981.
- Peter Simhandl (Hrsg.): Konstantin Sergejewitsch Stanislawski -Lesebuch. (= Sigma Medienwissenschaft. Bd. 7). Edition Sigma, Berlin 1992, ISBN 3-89404-901-4.
- Lee Strasberg: Schauspielen und das Training des Schauspielers. Beiträge zur „Method“. Alexander-Verlag, Berlin 2001, ISBN 3-923854-87-0.
- Bernd Stegemann: Schauspielen Theorie. Theater der Zeit, Berlin 2010, ISBN 978-3-940737-95-3.
Weblinks
- Informationen zum Schauspieler-Beruf, Bundesagentur für Arbeit
- Berufe-Lexikon: Berufsbild Schauspieler
- Gerda Baumbach über Schauspieler, traditionelle Akteure, Erzählen und Figuren, Leipziger Thesen zur Theaterwissenschaft VI auf nachtkritik.de
Einzelnachweise
- ↑ Autor: Eric Bentley Titel: The life of the drama Verlag: Atheneum Ort: New York Datum: 1964 Seiten: 150 http://archive.org/details/lifeofdrama00bentrich Zitat: The theatrical situation, reduced to a minimum, is that A impersonates B while C looks on.
- ↑ Autor: Chiel Kattenbelt Titel: Theater als Artefakt, ästhetisches Objekt und szenische Kunst Sammelwerk: Forum Modernes Theater Band: 12 Nummer: 2 Ort: Tübingen Datum: 1997-01-01 Seiten: 132-133
- ↑ Autor: Sheri McVay, Hannah Lydiatt, Brigette Ryalls, Lisa Kelly-Vance Titel: Pretend Play as a Pathway to Creativity: A Review of the Evidence Sammelwerk: Journal of Arts and Humanities Band: 14 Nummer: 3 Datum: 2025 Seiten: 62-78
- ↑ Autor: Ulrike Hentschel Titel: Theaterspielen als ästhetische Bildung: über einen Beitrag produktiven künstlerischen Gestaltens zur Selbstbildung Auflage: 3. Auflage Verlag: Schibri-Verlag Ort: Berlin Milow Strasburg Datum: 2010 ISBN: 978-3-86863-025-1
- ↑ Autor: Helen Nicholson Titel: Applied drama : the gift of theatre Verlag: Basingstoke [England] ; New York : Palgrave Macmillan Datum: 2005 ISBN: 1-4039-1645-4 Online: http://archive.org/details/applieddramagift0000nich
- ↑ Autor: Peter Heßelmann Titel: Review zu: Die Englischen Komödianten in Deutschland. Eine Einführung in die Ursprünge des deutschen Berufsschauspiels (Beiträge zur neueren Literaturgeschichte, Bd. 212) Sammelwerk: Zeitschrift für Germanistik Band: 17 Nummer: 2 Datum: 2007 ISSN: 0323-7982 Seiten: 450–451
- ↑ Titel: Schauspielen: Handbuch der Schauspieler-Ausbildung Auflage: 4., überarb. und erg. Aufl Verlag: Henschel Ort: Berlin Datum: 1998 ISBN: 3-89487-294-2
- ↑ Autor: Malte Pfeiffer, Volker List Titel: Kursbuch darstellendes Spiel. [Schülerbuch, Klasse 11-13] Auflage: Neue, bearbeitete Auflage, 1. Auflage, 3. Druck Verlag: Ernst Klett Verlag |Ort: Stuttgart Leipzig Datum: 2022 ISBN: 978-3-12-350467-9